Entwickler-Lösung | Einmal Waldhaus und zurück

Ich war immer eine von der schnellen Sorte. Eine, die viel machte, weil sie sich gern ablenken ließ und daraus Kraft bezog. Eine, die alles wollte, weil nur eines viel zu langweilig war. Niemand, der die Tiefe scheute - jemand, in den alles, was geschah, wahnsinnig schnell tief einsackte - und dann wurde es verdaut und der nächste Entwicklungsschritt stand an. Wahrscheinlich hing das damit zusammen, dass ich einerseits ein sehr phantasievolles Kind, andererseits in der Zeit des Der-Kindheit-Entwachsens viel alleine war. Da machte ich manchen sozialen Schritt erst später, aber den ein oder anderen persönlichen umso eher.


Seit ein paar Jahren ist das anders. Seit ein paar Jahren, vielleicht seit der Geburt meines Kindes ist etwas passiert und es passiert immer deutlicher und dauert noch an. Gut, ich habe erst einmal so weitergemacht wie immer: Einfach alles doppelt und davon noch dreimal mehr. Ich kann gut arbeiten unter Druck. Aber seit, ein zwei Jahren merke ich, dass immer, wenn ich das Tempo wieder ein bisschen erhöhen will, eine Blockade mein ständiger Begleiter ist. Es ist kein Ausgebranntsein - eher ein wahnsinnig starkes Mach-mal-langsam, ein Sich-durch-Watte Bewegen und gar nicht anders können als zu blocken. Ich habe jetzt manchmal das Gefühl, da bahnt sich eine Entschlossenheit den Weg, die noch nicht ganz erkannt worden ist von mir. Ein Alles-will-ich-gar-nicht-aber-etwas-richtig, das ich noch nicht so lebe, sondern gerade erst fühle - und das sich langsam füllt.

 

Anders, mit vielem, geht es nicht mehr das habe ich jetzt gesehen. Immer wenn ich es versuche, werde ich erst aggressiv, dann überfordert oder eben - wattiert. Wie ein schön warmer Mantel umpackt mich das Geschehen, das Vermeiden von Zusatzaufgaben und am Liebsten auch von dem bisschen, das jetzt noch zu erledigen ist. Ist vielleicht doch ein ganz kleines bisschen Erschöpfung, dabei? Ich könnte es mir ganz sicher nicht eingestehen, wenn es so wäre - keiner meiner beiden Eltern hält schließlich an, und ich habe das Gefühl, jetzt schon seit Jahren auf der Stelle zu treten und nichts richtig hinzubekommen. Dabei habe ich ein Kind geboren, mich getrennt, bin umgezogen, war berufstätig, habe ein Studium begonnen. Aber die Zufriedenheit, dieser Schlüsselteil des Erwachsenseins, stellt sich nicht ein - jedenfalls nicht in den Verpflichtungen außen, die das Geld für innen, in meiner kleinen Familie, generieren.

 

Vielleicht ist das auch ganz normal - ich habe ja von Anfang an einen anderen Weg beschritten, alles umgekehrt - ins Innen, früh und pippi-langstrumpf-naiv ein Kind geboren, weil ich wusste, dass das wichtig wäre. Dass es mich reifen ließe. Dass es wesentlich ist. Und nun soll ich den Schritt nach außen vollziehen, soll mich in die Welt hinausbegeben und bitte von meinem Job erfüllen lassen, auf dass das Geld endlich reiche. Aber es ist kein Job mit Liebe und selbst wenn - so groß und unmittelbar wie die Liebe, die ich durch mein Kind erfahre, könnte wohl kein Job für mich je sein - einfach weil das Kind zuerst da war und immer die erste Priorität. Dennoch, es treibt mich raus, ich muss ja Umsatz machen, Geld in Bewegung halten, um an dem Innen, das mir so wahnsinnig wichtig ist, festhalten zu können. Kein Wunder also, denke ich jetzt, beim Ordnen der Gedanken, dass es da manchmal zu inneren Krisen, langwierigen Verständnisschwierigkeiten meiner Gefühlswelten und Beglückungsmangel durch den Job oder das, worauf ich hinarbeite, kommt.


Manchmal wünschte ich, ich wäre einfach schon alt, etablierte Therapeutin oder noch besser: Heilerin und würde in meinem - gerade wieder eines entdeckt - Haus am Meer und im Wald mit großem Garten sitzen, Leuten zuhören und meine Seminare geben und Menschen das Leben retten oder je nach Sichtweise verschönern, die sich für die Außenwelt entschieden haben. Mir gehört die Innenwelt, aus der heraus bin ich, und das ist gut. Was für eine schöne Erkenntnis.

 

Das hat sich jetzt so gut niedergeschrieben, dass wir das Bild galant ignoriert haben. Aber ich finde es trotzdem passend: Durch welche Linse betrachtest du das Leben? Was war bei dir zuerst da - innen oder außen? Hast du Schwierigkeiten, dich so anzunehmen wie du bist - mehr innerlich, familiär, oder mehr äußerlich, weltzugewandt? Was musste passieren, damit du das erkannt hast? Schreibe mir. Ich freue mich auf deine Kommentare. Jules

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Kommentare: 2
  • #1

    Ella (Sonntag, 03 Januar 2016 04:55)

    Du bloggst nicht mehr? :(

  • #2

    Jules (Dienstag, 26 Januar 2016 17:38)

    Doch - aber zuletzt war viel los! Es geht weiter - auch der nächste Schritt ist schließlich zutagegetreten. :)

    Schau die Tage wieder rein, wenn du magst! :)

    Jule